Islamisches Kultur- und Gemeindezentrum

Container statt Riesenbau

Antworteten auf alle Fragen aus dem Publikum (v.l.n.r.): Florian Knape vom Bundesamt für Migration und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, Bürgermeister Christoph Böck, Öczan Bölen als Vertreterin des Vorstands des Fatih-Moschee-Vereins, Pfarrer Thomas Lotz und Professor Dr. Thomas Schmitt. Foto: Funk

Dass es in Unterschleißheim künftig eine Moschee mit Minarett, ein Riesengebäude mit Kuppel und einem Muezzin, der fünfmal täglich lautstark zum Gebet bittet, geben soll, war die Sorge vieler Anwohner Am Weiher und Furtweg. Dass dies definitiv nicht so sein wird, machten vergangene Woche Bürgermeister Christoph Böck und Öczan Bölen, Vorstand im DITIB Fatih-Moschee-Verein, bei einer Info-Veranstaltung mit Podiums-Diskussion zum geplanten Islamischen Gemeinde- und Kulturzentrum sehr deutlich.

Dass es in Unterschleißheim künftig eine Moschee mit Minarett, ein Riesengebäude mit Kuppel und einem Muezzin, der fünfmal täglich lautstark zum Gebet bittet, geben soll, war die Sorge vieler Anwohner Am Weiher und Furtweg. Dass dies definitiv nicht so sein wird, machten vergangene Woche Bürgermeister Christoph Böck und Öczan Bölen, Vorstand im DITIB Fatih-Moschee-Verein, bei einer Info-Veranstaltung mit Podiums-Diskussion zum geplanten Islamischen Gemeinde- und Kulturzentrum sehr deutlich. Für einen solchen Bau fehle es dem Verein nämlich schlichtweg an Geld, erklärte Öczan Bölen. Und selbst wenn der Verein, der aktuell 140 Mitglieder zählt und sich fast nur aus deren Beiträgen und Spenden finanziert, genügend Geld für einen Moscheebau zusammen bekäme, müsse der Bau von der Stadt in einem neuen Bebauungsplan erst genehmigt werden, fügte Christoph Böck hinzu. Bislang sieht der Plan Am Weiher/Furtweg lediglich genau das vor, was nun in naher Zukunft hier entstehen soll: Eine Containeranlage, 40 auf zwölf Meter, die den Gläubigen als Gebetsraum und für gemeinsame Aktivitäten Platz bieten soll. Zum 31. März läuft der Mietvertrag der bislang genutzten Räumlichkeiten im Keller des Hotels am Rathausplatz aus. Hier hatte der Fatih-Moschee-Verein seit über 20 Jahren ein Zuhause. Deshalb erwarb der Verein bereits 2013 von der Stadt ein Grundstück hinter dem Unterschleißheimer Weiher, im Bereich südwestlich angrenzend an den Furtweg direkt vor der Autobahnbrücke Richtung Unterschleißheimer See. „Viele Menschen sind heute verunsichert, wenn es um den Islam geht, weil wir einfach zu wenig voneinander wissen“, sagte Böck den zahlreich erschienenen Unterschleißheimern. In der anschließenden Podiums-Diskussion, an der neben Böck und Bölen auch der evangelische Pfarrer Thomas Lotz sowie Thomas Schmitt, Humangeograf an der Universität Augsburg und Florian Knape vom Bundesamt für Migration und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz teilnahmen, warben die vier für ein Miteinander. Pfarrer Thomas Lotz beschäftigte sich mit der Frage, ob es möglich sei, an einem Ort mit religiöser Vielfalt leben zu können. Mit einem Schmunzeln erklärte er: „Vor 100 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass hier ein evangelischer Pfarrer auf dem Podium sitzt.“ Zuerst solle man sich gegenseitig anhören. Dann könne man vergleichen und Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten feststellen. Das wünsche er sich für die Muslime am Ort, erklärte Lotz. Die DITIB, der Dachverband der türkisch-islamischen Union, könne zudem von jedem Verdacht auf Extremismus frei gesprochen werden, betonte Thomas Schmitt. Und Öczan Bölen fügte hinzu: „Wir sind seit über 20 Jahren hier.“ Es ginge also nicht um eine Neu-Ansiedlung, sondern nur um einen Umzug. Bei Straßen- und Stadtfesten engagiere sich der Fatih-Moschee-Verein zudem regelmäßig für ein aktives und buntes Stadtleben. Spontaner Applaus erklang, als Bölen vorschlug, ein Sommerfest auf dem Gelände zu organisieren und die Anwohner sowie alle interessierten Unterschleißheimer einzuladen. Doch daneben gab es auch kritische Fragen aus dem Publikum. Andreas Haslböck befürchtete Verkehrsprobleme für den ohnehin schon engen Furtweg. Böck erklärte, dass es an der Moschee 30 Parkplätze für die Gläubigen gebe und ein Ausbau des Andreas-Danzer-Wegs geplant sei. Allerdings hänge dies weniger mit einer eventuellen Moschee als mit der Weiterentwicklung des Gewerbegebiets zusammen. Zudem wäre mit den meisten Besuchern freitags zu rechnen. Während der Woche seien nur wenige Gläubige tagsüber in der Moschee. Adalbert Osterried beschäftigte sich schon länger mit dem Islam. Zwar sei es „selbstverständlich, dass in einem Rechtsstaat muslimische Mitbürger eine Moschee haben dürfen“. Ihn störe es jedoch sehr, dass der türkische Staat Einfluss auf die hier lebenden Muslime nehmen wolle und die Imame in der Türkei ausgebildet würden. Özcan Bölen gab Osterried Recht: „Es wäre wünschenswert, wenn wir deutsche Imame hätten, die auch die deutsche Kultur in sich haben und deutsch sprechen wie viele unserer Kinder.“ Weitere Kritik gab es, dass auf dem Grundstück Am Weiher seit dem Sommerfest im vergangenen Jahr immer noch Müll herum liege und auch ein Schild „Betreten strengstens verboten“ aufgestellt worden sei. „Das sollte keine Ausladung sein“, betonte Bölen. Das Schild stünde dort, weil Jugendliche dort Saufgelage und Partys veranstaltet hätten. Dies erkläre auch den Müll. Sie werde jedoch genau schauen, ob der dortige Unrat von dem Sommerfest stamme. Hans Schnelldorfer beklagte einen potenziellen Wertverlust der Grundstücke und Eigenheime durch die Moschee in direkter Nachbarschaft und fragte, wer das Grundstück Am Weiher bezahlt hätte. Böck erwiderte, dass der Stadtrat das Grundstück für geeignet gehalten habe und es bis zur nächsten Wohnbebauung 150 bis 200 Meter Entfernung gebe. Die Kosten für das Grundstück – 300.000 Euro – trägt der Fatih-Moschee-Verein. Die Hälfte sei bereits abbezahlt, der Rest werde in Raten an die Stadt bezahlt, antwortete Bölen. Einen positiven Abschluss fand der Abend nach der Kritik eines Bürgers, der bemängelte, dass die Homepage des Fatih-Moschee-Vereins nur auf türkisch gehalten sei, doch noch. Öczan Bölen erklärte, dass ein Umbau der Seite auf Deutsch geplant sei, aber ihr und den anderen Verantwortlichen leider die Kenntnisse für die Gestaltung einer neuen Homepage fehlen würden. Am Ende der Veranstaltung stand sie strahlend mit einem Zettel und einer Adresse da – es hatte sich tatsächlich jemand aus dem Publikum bereit erklärt, sie beim Aufbau einer neuen Homepage auf Deutsch zu unterstützen. Ein kleiner Anfang für‘s Miteinander.

Quelle: freising-online

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