GGM-Schüler als Steinbildhauer
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Forum Freising
Hallertau, 08.11.2011 12:00 |
 Der Abiturkunstkurs des Gabelsberger-Gymnasiums nach dem schweißtreibenden Arbeitstag bei Garten- und Landschaftsbau Huber mit Firmenchef Josef Huber (links) und Kursleiterin Oberstudienrätin Juliane Cernohorsky-Lücke (rechts). Foto: ma (ma) · Hatte der Abiturkunstkurs des Gabelsberger-Gymnasiums schon am Sommerfest durch seine Modenschau mit Kleidern, die nur aus Papier gefertigt waren, begeistert, so stellte sich nun der Kurs unter der Leitung von OStRin Juliane Cernohorsky-Lücke der nächsten Herausforderung: Arbeiten in Stein! Nach einem inspirierenden Rundgang auf dem frei zugänglichen Gelände des Garten- und Landschaftsbauunternehmens Josef Huber in Oberpindhart, wo regelmäßig auch Bildhauerkurse stattfinden und das zugleich ein Freilichtmuseum ganz besonderer Skulpturen ist, machten sich die Schüler selbst ans Werk. Dabei griff Cernohorsky-Lücke das Bestreben des achtjährigen Gymnasiums zum „exemplarischen Lernen“ ganz konkret auf und stellte einen Zusammenhang zwischen der Bearbeitung eines Steins und dem Leben her: Zunächst galt es für die Schüler, unter den vorbereiteten Rohlingen (echter Carraramarmor mit jeweils einem Gewicht von etwa 15 Kilo), „ihren“ Stein zu finden. Hierbei wurde bei den Schülern bereits der Blick für die Unterschiede der Form, Bruchkanten, Struktur und der Farbe geschärft, - jeder Stein ein Unikat!
Zwei grundsätzliche Herangehensweisen bei der Bearbeitung eines Materials wurden in einem weiteren Schritt verdeutlicht: Erstens man hat eine feste Vorstellung und möchte diese dem Stein aufprägen oder zweitens) man lässt sich ein auf das Gegebene, schaut, welche Form bereits im Stein veranlagt ist, aufgegriffen und weitergeführt werden „will“. Eine Haltung der Empathie, des sich Einfühlens in Gegebenheiten, die einem im Leben sicher auch zu Gute kommt.
Steinbildhauerei - ein echter Knochenjob
Nachdem nun die Werkzeuge und deren Gebrauch durch Josef Huber vorgestellt worden waren, ging es an die Arbeit. Zunächst zaghaftes Meißeln verbunden mit der Erkenntnis: „So komme ich nicht weiter.“ Dann: Mut fassen und stärkerer Einsatz des Fäustel bei voller Konzentration und mit zunehmendem Selbstvertrauen, gezieltes Setzen von Spitzeisen, gutes Vorankommen. Immer ganz dabei in dem Wissen, was zu viel weg springt ist für die Form unwiederbringlich verloren, - wie das ein abtragendes Verfahren, im Gegensatz zu der Bearbeitung von Ton, mit sich bringt.
Mit wachsender Sicherheit wagt man sich schließlich auch daran, größere Stücke auf einmal vom Stein zu schlagen. Irgendwann lässt jedoch die Aufmerksamkeit nach, eine Bruchkante im Stein wird nicht beachtet und genau das wesentliche Stück der Form springt ab, ist verloren. Es gibt kein Zurück, genauso wie im Leben. Da heißt es inne zu halten, genau hinzuschauen, den Stein erneut von allen Seiten zu betrachten und nach neuen Möglichkeiten zu suchen, die zu einer vollendeten Form führen. So hat für Cernohorsky-Lücke allein schon der Arbeitsprozess einen hohen Stellenwert.
Mit Kunst fürs (steinharte) Leben lernen
Darüber hinaus gilt es beim Bildhauern auch hinsichtlich der Selbstwahrnehmung präsent zu sein und zum Beispiel auf eine kräftesparende Körperhaltung und Technik zu achten, die ein effizientes Arbeiten überhaupt erst möglich macht.
Wer die Vorstellungskraft besitzt, so die Kunstlehrerin, das Gegebene zu einem Reichhaltigeren zu wandeln, wer seine Willenskraft und Ausdauer durch die Bearbeitung eines der härtesten Materialien schult, der ist auch auf dem besten Weg, sich auf das Leben vorzubereiten, exemplarisches Lernen am G8 (achtjährigen Gymnasium) ist also möglich und zwar so, dass es auch Freude macht.
„Allerdings sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der gesamten Mittelstufe des G8
nur 45 Minuten für den Kunstunterricht pro Woche vorgesehen sind, und das in Gruppen von zum Teil über 30 Schülern. Das hier etwas auf der Strecke bleibt und der Mensch in seiner Ganzheit aus dem Blick geraten ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung“, so die Pädagogin.
Umso begrüßenswerter sei es laut Cernohorsky-Lücke, dass solche Veranstaltungen am Gabelsberger-Gymnasium möglich sind, „welches leider über keinen Werkraum verfügt“, so die engagierte Fachschaft Kunst.
Erschöpft und erfüllt endete so für die Schüler ein langer Arbeitstag, der ihnen sicherlich in Erinnerung bleiben wird. Dessen Werke werden nun vor und nach dem Weihnachtskonzert am Gabelsberger-Gymnasium in der zu einer Galerie umgewandelten Mensa zu sehen sein. An Josef Huber sei an dieser Stelle auch noch ein Dank dafür ausgesprochen, dass er mit Rat und Tat die ganze Zeit allen zur Seite stand und dass er sich sehr beeindruckt zeigte von der Einsatzbereitschaft und von dem künstlerischen Können der Schüler. |
 Schwer ist leicht was: Die Gymnasiasten hatten ganz schön zu schleppen, bevor sie die bis zu 15 Kilo wiegenden Rohlinge aus echtem Carrara-Marmor bearbeiten konnten. Foto: ma |
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