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Wald vor Wild oder andersrum?


Nachricht von: Forum Freising
Freising, 08.12.2011 12:00


Andreas Tyroller (Bayerischer Bauernverband)
Wald vor Wild, Wild vor Wald? Das 18. Freisinger Jagdgespräch brachte zwar in vielen Punkten eine deutliche Annäherung der Standpunkte, aber nicht alle Fragen konnten abschließend geklärt werden. Es war Hubert Aiwanger, Fraktionschef der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, selbst Landwirt, der die Richtung vorgab und von beiden Seiten mehr Sachverstand für die jeweils anderen Belange einforderte.
Es geht darum, dass immer wieder Waldbauern klagen, das Wild schädige junge Bäume. Wildverbiss ist das Schlagwort. Aufwändige Gutachten sind Pflicht, der Jäger muss für die Schäden aufkommen. Hier wird oft übertrieben, und das vergiftet das Klima. Dabei gibt es viele Jäger, die auch Jäger sind. Es gibt sogar eine Arbeitsgemeinschaft jagende Land- und Forstwirte, deren Vertreter Ernst Gerauer sich massiv um Ausgleich bemühte. Im Kreis Freising kommt, wie die Diskussion deutlich machte, noch etwas anderes hinzu: Ein massiver Freizeitdruck auf die Flächen. Die Folgen sind drastisch: Das Wild verzieht sich in den Wald, weil es seine Ruhe will, knabbert aber dort die jungen Triebe an, was wiederum dazu führt, dass der Jäger zur Kasse gebeten wird. Das konterkariert teilweise die Bemühungen, über die inzwischen Einigkeit erzielt wurde, nämlich dafür zu sorgen, dass das Wild sich auf der freien Flur auch wohl fühlt. Aber auch hier gibt es Probleme, denn wenn, was beobachtet worden ist, ein Landwirt die Gülle auch noch bis in den an sein Feld angrenzenden Wald hinein spritzt, findet das Wild garantiert keine Äsung mehr an diesem Waldrand. Also sucht es sein Futter wieder woanders, nämlich im Wald selbst, mit allen weiteren Folgen.
Andreas Tyroller (Bayerischer Bauernverband):
„Wald vor Wild! Wald ist die Lebensgrundlage für das Wild. Das Wild ist abhängig vom Wald und nicht umgekehrt.Mir wäre es wichtig in diesem Konflikt, dass beide Seiten anfangen, sich hinein zu denken, was der andere will. Der Waldbesitzer sagt, du musst mehr schießen. Statt dessen ist auch ein Umdenken erforderlich beim Landwirt, etwa bei der Fütterung. Wenn ein Jäger das Wild dazu bringt, die Flächen zu verlassen, wo es Ärger macht, ist das gut. Dann darf umgekehrt der Landwirt auch nicht noch auf den letzten Quadratmeter Mais anbauen. Der Druck auf die Fläche wird steigen, das steht fest.“
Anton Krinner (Bayerischer Jagdverband Hochwildausschuss):
„Der Begriff ist zu flach.Es ist in Wahrheit ein Konflikt um Nutzungen, um verschiedene Nutzer. Alles tummelt sich ohne Entgelt auf fremden Grund und Boden. In diesem Spannungsfeld kommt erschwerend hinzu, dass viele massiv Einfluss nehmen wollen auf diese Nutzungen.
Man sollte wieder auf den Status kommen, wo vor Ort entschieden wird.
Wer hat den den Jäger her geholt, mit dem viele unzufrieden sind?
Das waren doch die Jagdgenossen, also die Grundeigentümer. Hier muss bei der Konfliktlösung angesetzt werden.“

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