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Forum Freising
Freising, 15.07.2010 16:26
Das Diskussionsforum Handel war eines der meist besuchten Foren. . Foto: Stockheim
(ks) · Die Innenstadtentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Darum hatten die Stadtverwaltung und das für das Entwicklungskonzept zuständige Planungsteam die Bürger am Mittwochabend in den großen Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Etwa 100 Zuhörer folgten den größtenteils bereits bekannten Ausführungen der Referenten, bis es nach zwei Stunden in die Diskussionsforen ging.
Nach einer knappen Begrüßung des Oberbürgermeisters Dieter Thalhammer führte Sonja Rube, Sprecherin des Planungsteams, in den Ablauf des Abends ein und stellte die Referenten vor. Rube betonte vor dem öffentlichen Publikum nochmals, dass Freising nur Superlative zu bieten hätte und viel Potenzial vorhanden wäre. „Die Freisinger Innenstadt ist das Herz der Stadt und das muss zum Schlagen gebracht werden. Das ist eine wichtige Aufgabe, bei der alle mithelfen müssen. Sie sind die Stadt. Schön, dass Sie alle hier sind.“ Nachdem seit März dieses Jahres in einer aufwendigen Analysephase Stärken und Schwächen der Freisinger Innenstadt untersucht wurden, sollten in dieser Veranstaltung Leitlinien benannt werden. „Darunter verstehen wir die großen Wege, die wir beschreiten möchten. Es geht nicht ums Detail,“ beschrieb Rube die Aktion.
Als erster Referent griff Reinhard Bachtler, Büro Bachtler Böhme + Partner, zum Mikrofon. Mit zahlreichen Bildern ordnete er die aktuelle Situation in der Innenstadt aus Sicht der Stadtplanung ein. Das Highlight läge in der einmaligen Baustruktur rund um den Marienplatz sowie in der bekannten Vielfalt in der Unteren und Oberen Hauptstraße, ließ Bachtler die Zuhörer wissen. Auffällig wäre auch die charakteristische Wohnnutzung im Bereich des Grabens. Die teils sehr gut renovierten Häuser würden wesentlich für die Wertigkeit der Innenstadt beitragen. Es gäbe aber auch Bereiche in der Innenstadt, die Potenzial für städtebauliche Maßnahmen bieten. Als Erstes benannte er den Bereich zwischen Unterer Hauptstraße und Fischergasse. Ob Flächen wie der Woolworth-Parkplatz oder die Sportstätte des TSV Jahn in der Innenstadt noch sinnvoll wären, darüber müsste nachgedacht werden. Im Weiteren wären Verbesserungen bei der Unterführung zwischen Erdinger Straße und Heiliggeistgasse sowie der Führung des Fußwegs zwischen Bahnhof und Unterführung notwendig. Hier machte Bachtler den Vorschlag, den Fußweg entlang der Moosach über den Bach und hinter der Tankstelle und dem THW-Gelände bis zur Heiliggeistgasse zu führen. Für eine Verstärkung der Kaufkraft in der Oberen Hauptstraße sieht die Planung den Bau eines Parkhauses im Bereich der Karlwirtskreuzung vor. Das Öffnen der Moosach würde dem gesamten Platz am Kriegerdenkmal eine eigene Struktur verleihen.
Die Ziele für den Bereich Handel definierte Christian Hörmann von der CIMA Beratung + Management GmbH in seinem Vortrag. Die Ausweitung der Angebotsvielfalt und die Verbesserung der Angebotsstruktur, eine städtebauliche Individualität und ein gesamtstädtisch wirkendes Einzelhandelskonzept wären Maßnahmen, die sich nachhaltig positiv auf den Einzelhandel in der Innenstadt auswirken würden. Hinzukommen sollten laut Hörmann die Aktivierung von Flächen, eine Verbesserung der Innenstadtsituation und bestandsorientierte Entwicklung sowie die Zusammenarbeit der Gewerbetreibenden.
Stärkend für die Innenstadt und positiv für den Verkehr sieht das Planungsteam und Verkehrsplaner Christian Fahnberg, Büro INGEVOST, den Ausbau des Altstadtrings. Ziel sei es, den Autoverkehr und den Fahrrad-Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszuholen. Dazu müsste als Erstes die Straßenführung vereinfacht werden. Gerade für Touristen blieb die Logik hinter der Umfahrung verborgen. Fahnbergs Vorschlag für eine bessere Orientierung lautete, die Alois-Steinecker-Straße in beide Richtungen befahrbar zu machen. Aus der Kammergasse könnte eine Fahrradstraße werden. Der Bau des Parkhauses an der Karlwirtskreuzung würde „das etwas löchrige System verbessern,“ beschrieb der Verkehrsplaner die Situation und beendete die Vortragsphase.
Im Anschluss waren die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich in drei Foren zu den Themen Stadtplanung, Handel und Verkehr zu äußern und in einer Diskussion ihre Vorstellungen einzubringen. An den Themen Stadtplanung und Verkehr beteiligten sich jeweils zwölf Personen. Etwas mehr Aufmerksamkeit erhielt das Forum Handel, an dem 17 Interessierte teilnahmen. Nach einer kurzen Zusammenfassung des bisher Gesagten, kam Hörmann, der das Forum leitete, auf die Notwendigkeit von Handelskonzepten, wie es H&M liefert, zu sprechen.
Diese Handelsketten-Konzepte hätten durchaus auch positive Effekte für inhabergeführte Geschäfte. Wie am Beispiel Landsberg am Lech zu sehen sei, würde die Kundenfrequenz im Innenstadtbereich durch die Ansiedlung einer Handelskette deutlich zunehmen. Die Auslagerung in die Randbereiche, wie zum Beispiel in die Schlüterhallen, wäre für das Geschäftsleben in der Innenstadt nicht sinnvoll. Die Diskussion in dieser Gruppe stießen die aufgebrachten Frage eines Bürgers an. Er suche nach dem Sinn hinter der Analyse und den vorgeschlagenen Maßnahmen. Welches Leitbild würde man mit diesen Maßnahmen verfolgen? Wolle man die Planungsvorschläge überhaupt umsetzen? Da Freising kein einheitliches Leitbild hätte, wären alle Maßnahmen sinnlos. Man müsse sich nur andere Städte ansehen, um festzustellen, dass alle vor denselben Problemen stehen. Die Stadt, die jetzt erfolgreich sein wolle, müsse schnell Entscheidungen treffen und sich nicht lange mit Planungsverfahren aufhalten. Auf diese und weitere Fragen und Ausführungen konnte Diskussionsleiter Hörmann Antworten geben: Als Erstes gälte es eine Struktur festzulegen, dann würde das Dach folgen. Alle Superlative der Stadt in einen Slogan zu packen, sei durchaus ein wichtiger Schritt. Diesen könne man aber erst gehen, wenn Stadt und Bürger wissen, wie sie sich positionieren möchten und welche Alleinstellungsmerkmale vermittelt werden sollen. Dafür sei eine Weiterentwicklung notwendig, zum Beispiel in der Identifikation mit den Gegebenheiten. Auf die Frage nach dem Willen der Stadt, die nun vorliegenden Maßnahmen auch umzusetzen, konnte Hörmann beruhigen. Das Planungsteam sei schließlich beauftragt worden, weil eine Umsetzung folgen solle. Weiter konnte er berichten, dass Freising durch die Teilnahme am staatlichen Städtebauförderprogramm für die Maßnahmen 60 Prozent Zuschüsse zu erwarten hätte.
Nachdem die Analyse abgeschlossen sei, ging es in der jetzigen Phase darum, ob eine Maßnahme, wie zum Beispiel die Moosachöffnung, aufgegriffen wird. Das „Wie“ folge erst im nächsten Schritt.